Panzerabwehrlenkrakete (PALR) 9M17P
Die Lenkraketenbewaffnung des Hubschraubers Mi-24D (Panzerabwehrkomplex "Falanga-PW" ) ist bestimmt zum Bekämpfen kleiner gepanzerter Erdziele, wie Panzer, Selbstfahrlafetten, Schützenpanzerwagen und anderer Kampftechnik , bei visueller Sichtbarkeit der Ziele.
Zum Komplex "Falanga-PW" gehören Panzerabwehrlenkraketen (PALR) 9M17P.
Außerdem können PALR 9M17M eingesetzt werden; sie unterscheiden sich von den PALR 9M17P durch den Typ des Leuchtsatzes, der ihren Einsatz nur mit manueller Lenkung ermöglicht. Die PALR 9M17P können sowohl mit Nutzung der halbautomatischen (Hauptbetriebsart) als auch der manuellen (dublierenden) Betriebsart abgeschossen und an das Ziel geleitet werden. An den Hubschrauber können 4 PALR angehängt werden. Der Abschuß und das Leiten der PALR in das Ziel erfolgen durch den 2. Hubschrauber mit Nutzung des Leitgerätes "Raduga-F" sowie der Feuerführungs- und Funksteuereinrichtung.
Zum Komplex "Falanga-WP" gehören außer den PALR:
a) die Abschußvorrichtung ,
b) die Feuerführungseinrichtung,
c) das Leitgerät "Raduga-F",
d) die Funksteuereinrichtung.
Panzerabwehrlenkrakete 9M17P

Die PALR 9M17P ist bestimmt zum Bekämpfen von offenen und ungetarnten, hauptsächlich gepanzerten Zielen sowie von Zielen, die sich hinter leichten Deckungen und Hohlladungsschutzdeckungen befinden, und hat folgende Kenngrößen
a) Durchschlagskraft
- senkrecht zur Panzerung: 500 mm,
- im Winkel von 60° zur Panzerung: 280 mm,
b) maximale Weite des gelenkten Fluges: 4 000 m,
c) mittlere Fluggeschwindigkeit auf der Flugbahn: 200 m/s,
d) Möglichkeit des Leitens der PALR an ein Ziel, das sich senkrecht zur Visierlinie bewegt: bis zu einer Zielgeschwindigkeit von 60 km/h,
e) Mindestentfernung der Fernschärfung des Zünders: 70 ... 200 m,
f) Zeit vom Drücken des Kampfknopfes пуск bis zum Abgang der PALR von der Führungsschiene der Abschußvorrichtung: 3,5 s,
g) Masse: 31,5 kg,
h) Kaliber (Gefechtsteil): 142 mm,
i) Länge: 1165 mm,
k) Spannweite der Stabilisierungsflächen: 680 mm.
Als tragende aerodynamische Flächen dienen die trapezförmigen, senkrecht zueinander angeordneten Flügel am mittleren Teil des Raketengehäuses. An der Hinterkante der Flügel befinden sich die rechteckigen Ruder.
Die horizontal angeordneten Flügel und Ruder werden als Längsneigungsflügel bzw. -ruder und die vertikal angeordneten Flügel und Ruder als Kursflügel bzw. -ruder bezeichnet. Die Längsneigungsruder dienen zum Lenken der PALR in der vertikalen Ebene und die Kursruder zum Lenken in der horizontalen Ebene. Mit den Kursrudern erfolgt auch die Querstabilisierunrj der PALR, d.h. die Ruder schlagen so aus, daß gleichzeitig mit dem Lenken in der Kursebene bei Notwendigkeit ein aerodynamisches Moment bezüglich der Längsachse erzeugt wird. Die Kurs- und Längsneigungslenksignale zum Betätigen der Ruder werden in der Lenkanlage der PALR auf der Basis der über Funk vom Hubschrauber übermittelten Kommandos gebildet. Die Querneigungslenksignale werden in der Bordanlage der PALR für die Querneigungsstabilisierung gebildet. Zum Beobachten des Fluges der PALR auf der Flugbahn sind an den Längsneigungsflügeln Leuchtsätze und Leuchten angebracht. Am Tage wird beim Abschuß der PALR der Leuchtsatz gezündet. Seine Lichtstärke ist veränderlich und steigt mit wachsender Entfernung der Rakete vom Hubschrauber. Die Brenndauer des Leuchtsatzes beträgt 30 s.
Beim Einschalten des Schalters сумерки wird der Leuchtsatz nicht gezündet. Die PALR kann nach den elektrischen Leuchten, die an den Leuchtsatzgehäusen angebracht sind, beobachtet werden. Die Leuchten werden von der Bordstromversorgungsanlage der PALR versorgt.
Die PALR besteht aus dem Gefechtsteil, dem Elektronikblock, dem Versorgungsteil, dem Feststofftriebwerk, dem Rudermaschinenblock und dem Bordfunkblock.
Der Gefechtsteil mit kumulativer (Hohlladungs-) Wirkung ist bestimmt zum Bekämpfen gepanzerter Ziele. Im Gehäuse des Gefechtsteils befinden sich die Hohlladung und der Piezogenerator als Meßfühler des piezoelektronischen Zünders. Der Zünder ist im Elektronikblock installiert. Der Zünder und damit auch der Gefechtsteil werden durch einen Stromimpuls, den der Piezogenerator beim Auftreffen der Rakete auf ein Hindernis erzeugt, ausgelöst.
Im Elektronikblock befinden sich außer dem Zünder der Spannungswandler und die Elemente der Querneigungsstabilisierung der Rakete.
Der Wandler, der vom Stromversorgungsblock gespeist wird, erzeugt die notwendigen Spannungen für die Anlagen der PALR. Die Querneigungsstabilisierungsanlage dreht die PALR nach dem Abschuß bezüglich der Längsachse um 135° aus der Lage "X", in der sie sich auf der Führungsschiene befand, in die Lage "+" zum Flug auf der Flugbahn.
Als Meßfühler des Stabilisierungssystems dient ein Kreisel; der Kreiselrotor wird durch die Energie der Gase, die beim Verbrennen einer Spezialpulverladung entsteht, gedreht. Befindet sich die PALR in der Transportlage, ist der Kreisel arretiert. Er wird nach dem Abschuß der PALR, dem Zünden ihres Triebwerks und dem Erreichen der Solldrehzahl des Rotors entarretiert.
Der Versorgungsteil dient zur Spannungs- und Druckluftversorgung der PALR. Im Versorgungsteil befinden sich der Stromversorgungsblock mit 3 Batterien und der Druckluftbehälter mit der automatischen Druckreduzierung. Die Druckluft gelangt über eine Druckluftleitung an der Raketenaußenfläche zu den Rudermaschinen. Die Druckluftversorgung beginnt beim Auslösen des Pyrozünders des Druckluftverschlusses beim Abschuß der PALR. Der Stromversorgungsblock dient als Elektroenergiequelle für die gesamte PALR. Die Versorgung durch die Batterien beginnt mit dem Abschuß der PALR.
Das zweistufige Einkammer-Feststofftriebwerk verleiht der PALR die erforderliche Fluggeschwindigkeit. Die Treibladung besteht aus 2 Halbladungen: der Start- und der Marschladung. Durch die Verbrennung der Startladung wird der PALR eine Geschwindigkeit von etwa 200 ... 220 m/s verliehen. Die Marschladung hält die erreichte Geschwindigkeit bis zum Brennschluß des Triebwerks.
Der Rudermaschinenblock enthält die Anlagen zum Umwandeln der elektrischen Steuersignale, die die Funkanlage der PALR empfängt, in die entsprechenden Ruderausschläge. Im Block befinden sich 3 Rudermaschinen: Eine steuert die Längsneigungsruder, die anderen beiden die Kursruder. Sie arbeiten differenziert und gewährleisten solche Ausschläge der Kursruder, daß die PALR gleichzeitig in der Kursrichtung gelenkt und nach der Querneigung stabilisiert wird. Die Ruder werden durch Druckluft aus dem Versorgungsteil bewegt.
Die Bordfunkanlage der PALR befindet sich im Heckteil.